Es gibt unzählige Methoden wie wir als Fischer vorgehen, um einen Fisch zu überlisten. Rute, Angelschnur, Köderwahl… die grossen Fragen. Wir Fischer halten uns an erfolgsorientierte Methoden, die zum jeweiligen Gewässer zu passen scheinen, um den Fangerfolg zu erhöhen. Ihr seid am Bergsee eurer Wahl, die Sonne scheint, ihr werft aus und holt den Köder ein und dann der erste Biss! Es ist nervenkitzelnd den ersten Fisch am Haken zu haben und ihn erfolgreich zu landen.
Doch nicht jeder Tag ist auch mit Fangerfolg gekrönt, obwohl ihr euren Top-Köder verwendet habt. Der Köder scheint, wie unsichtbar, zu sein für die Fische und ihr beschliesst eine Pause zu machen. In den ruhigen Minuten der Fischerei, beobachtet ihr in der Ferne wie ein kleines Insekt auf der Wasseroberfläche landet. Es geht nicht lange und eine Forelle schnappt spektakulär zu, wenige Sekunden später nochmal, diesmal sieht man knapp die Rückflossen, es scheint so, als hätte der Fisch etwas knapp unter der Wasseroberfläche geschnappt. Ein magischer Moment und zugleich eine Erkenntnis. Es muss eine Methode geben, die es ermöglicht einen Fisch mit einem Insektenimitat zu überlisten. Aber wie?
In meinem ersten Blog erfahrt Ihr meine Einsichten und Methoden, die mir den besten Erfolg an den Bündner Bergseen geliefert haben mit dem Sbirolino und den selbstgebundenen Fliegen.
Hallo und Herzlich Willkommen, bei uns im Fischerladen in Chur. Mein Name ist Raphael und ich nehme euch mit auf meiner Reise durch die Bündner Bergseen.
Inhalt:
Die hier veranschaulichte Methode und Ausrüstung werden durchlaufend verbessert und für euch zur Verfügung gestellt. Sämtliches Zubehör ist bei uns im Laden erhältlich und für weitere Auskünfte stehen wir euch gerne zur Verfügung. Mein Dank geht noch an meinen Vater, der mir diese verlorene Fischereimethode näherbrachte.
Viel Spass beim Lesen und Petri.
Ausrüstung
Die Rute sollte mind. 3 m Länge aufweisen, um später eine erfolgreiche Montage und Präsentation zu gewährleisten.
- Monofile Schnur 0.2 – 0.25mm
- Vorfach 0.18mm
- Sbirolino schwimmend, mind. 10g
- Gummiperle
- Wirbel
- Fliege
Montage
Für den Aufbau starten wir damit, erstmal unsere Monofile Schnur durch alle Ringe unserer Rute zu ziehen. Zieht nun die Schnur, in der Länge eurer Rute aus, um genügend Länge für die weiteren Schritte zu haben.
Den Sbirolino auf die Monofil draufziehen, gefolgt von der Gummiperle. Zu guter Letzt den Wirbel als Stopper mit einem Knoten befestigen (ich verwende ausschliesslich den Uni-Knoten) und die Gummiperle als Schutz auf den Knoten ziehen.
Soweit alles erledigt, folgt nun die Vorbereitung der Fliege und den Teil dieser Methode, der sich von anderen Fischereimethoden unterscheidet.
Die Fliege an das Vorfach knüpfen und nach ca. 20cm abschneiden. Nun folgt ein doppelter Doppelknoten (nennen wir ihn mal DD-Knoten), den man ca. 4 cm von der Öse der Fliege entfernt zu einem ,,Knollen” anzieht. Klingt kniffliger als es ist😊. Das überschüssige Vorfach knapp nach dem DD-Knoten abschneiden. Ihr besitzt nun eine Fliege mit einem 4cm Vorfach und einem Knoten als Abschluss in der Hand. Somit sind wir bereit, die vorbereitete Fliege an der Hauptschnur zu fixieren.
Nun wählt ihr den Abschnitt, der zur Befestigung der Fliege bestimmt ist. Die Fliege sollte mind. 1.5 m von dem Sbiro, entlang der Hauptschnur entfernt fixiert werden.
Beim gewählten Abschnitt an der Hauptschnur wird eine Schlinge geformt, die bei Zug, zugeschnürt wird. Fädelt in der klein geformten Schlinge, das Vorfach der Fliege zur Hälfte ein und zieht die Schlaufe leicht an. Ist das erledigt, wird das Vorfach der Fliege bis zum äusseren Knoten verschoben und mit einem Spürbaren ,,knick” fixiert. Am besten die Schlinge mit dem Mund befeuchten, um keine Beschädigung der monofilen Schnur zu riskieren. Die Fliege kann ab jetzt nicht mehr verschoben werden und ist nun mit der Hauptschnur verbunden.
Punkt 3 und 4 kann wiederholt werden bis max. 3 Springer-Fliegen aller Art pro Hauptschnur fixiert sind. Der Abstand zwischen den Springer sollte mind. 30 cm betragen.
Am Ende des Tages beim Zusammenpacken der Ausrüstung, wird das Vorfach samt Fliege, nahe der Verbindung der Hauptschnur abgeschnitten. Mit der Zange den DD-Knoten greifen und ziehen, so löst ihr die Schlaufe und habt eine wieder einsetzbare Monofil Schnur für den nächsten Ausflug. Mit der häufigen Verknüpfung der Fliegen, sieht man allmählich Verbrauchsspuren der Monofil Schnur im Verlauf der Saison. Ich empfehle dies regelmässig zu überprüfen und wenn nötig den verletzten Abschnitt einzukürzen.
Insektenimitat
Bevor wir irgendwelche Fliegen verwenden, lohnt es sich zu wissen wie sich unsere Forellen oder Saiblinge ernähren. Fluginsekten, die ihre Kreise auf der Wasseroberfläche drehen, sind im Grunde nur ein kleinerer Anteil, wie sich unsere Fische ernähren. Denn die Vorstufen eines adulten Fluginsekts, verweilen ihre längste Zeit ihres Lebens im Wasser. Es ist daher in Betracht zu ziehen, dass die an unsere Hauptschnur montierte Insektenimitat, ein im Wasser lebendes Insekt darstellt, sogenannte Nymphe oder Nassfliege (aufsteigendes Insekt). Zu bestimmten Tageszeiten (meistens spät abends) ist es Sinnvoll, bei Insektenflug, eine Trockenfliege zu montieren. Eine wachsame Beobachtung des Gewässers ist stehts ratsam, damit lässt sich entscheiden, welche Imitation ihr verwenden sollt, die zur aktuellen Tageszeit passt.
Die Auswahl an selbstgebundenen Fliegen, die ich anbiete, reicht durch alle Entwicklungsstufen eines am Wasser lebenden Insektes dar. Im Angebot stehen unterschiedlichen Farben, Formen und Grössen zum Verkauf bereit. Unser Sortiment beinhaltet neben allem, was man benötigt, um zu angeln aller Art, auch für die hier benannte Methode, von Larven, Nymphen, Nassfliegen bis Trockenfliegen. Die ersten drei genannten sind im Wasser lebenden oder ertrunkenen Insekten. Die Trockenfliege stellt ein adultes Eierablegendes oder erschöpftes Fluginsekt, schwimmend auf der Wasseroberfläche dar.
Jeder See und ihre beheimateten Fische haben eine andere Vorliebe für Insekten. Daher gibt es nicht ,,die einzig wahre” Imitation, sondern es ist ein Herausfinden, welches Imitat zu verwenden gilt.
Ich werde in Zukunft weitere Blogs und Videos auf unserer Webseite veröffentlichen, in denen Imitations-Empfehlungen und Reisetipps zu unseren Bündner Bergseen beschrieben werden, im Zusammenhang dieser Sbirolino Methode. Dies wird zu eurem Interesse und Fangerfolg beitragen, wir freuen uns auf euer Feedback😊.
Platzierung
Ihr seid nun bereit für euren ersten Wurf, doch wo soll die ausgewählte Imitation im See präsentiert werden? Kurz gesagt, dort wo die Fische aktiv jagen. Bergseen haben meist ein Bach Ein- und Auslauf, es lohnt sich dort anzufangen und aktiv zu beobachten, wo Wasserbewegung, verursacht von jagenden Fischen, auf dem See stattfindet. Wenn es so wirkt, als wären keine Fische im See, hilft es Stellen zu suchen, in denen sich Fische verstecken könnten. Das wären Bäume, die im See versunken sind, Felsen und Gruben etc.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht notwendig ist, ein Wind verschonter Seeabschnitt zu befischen, um dem Fisch eine klare Sicht zur Imitation zu gewährleisten. Wellen beinträchtigen nicht den Fisch zum Angriff oder deren Beurteilungsfähigkeit, nur für uns Fischer ist es schwieriger einzuschätzen, wo sich Fische aufhalten könnten.
Köderführung
Die besten Erfahrungen in Bezug auf die Präsentation der Insekten Imitationen, machte ich durch unbeabsichtigte ,,Fehler”. Umso grösser war die Freude einen Fisch am Haken zu haben und mein Wissen zu erweitern. Folgende zwei prägende Ereignisse geschahen:
- Ich erfuhr ein überraschender Biss am oberen Jörisee, als mir durch ein Missgeschick, der Sbiro samt Montage beim Auswerfen auf den See katapultierte. Selbstverständlich war meine Mission nun, mithilfe einer Ersatzmontage, die im See schwimmenden Montage einzuhaken, bevor ein Fisch die schwimmende Montage ins Visier nimmt. Der Wurf war präzise, mit hoher Geschwindigkeit, als könnte ich mit schnellem kurbeln Strom generieren, lenkte ich erfolgreich mit der Hauptschnur den Sbiro näher in meine Richtung. Meine Absicht war nicht ein Fisch zu fangen, sondern die im See treibende Montage einzuholen. Plötzlich ruckelte die Rute, ein Namaycush wollte meine Highspeed Nassfliege um jeden Preis fressen. Es gelang mir den Fisch und die lose treibende Montage zu landen. Ich hätte niemals gedacht das so ein fang möglich wäre in dieser hohen Geschwindigkeit.
- Die zweite Geschichte beinhaltet so etwa das Gegenteil der oben geschilderte Erfahrung. Am Lai Grand Biss eine Bachforelle, 10 min. nach dem Wurf auf meiner Nassfliege, während ich mir ein Powernap gönnte. Es war wenig los um die Mittagszeit, also warf ich aus und machte es mir bequem. Als ich aufwachte, nahm ich die neben mir platzierte Rute in die Hand und kurbelte langsam weiter und bemerkte das der schwimmende sbiro nicht zu sehen war. Ich nahm an, dass ich Unkraut mitzog, denn die Schnur war leicht unter Spannung. Erst als ich Blickkontakt mit meiner Montage hatte, sah ich eine 43cm Bachforelle am Haken und landete diesen ohne einen Kampf.
Mit diesen zwei Geschichten will ich euch näherbringen, dass es möglich ist, Fische in unterschiedlichen Einziehgeschwindigkeiten zu fangen. Es gibt kein richtig oder falsch, der Fisch sucht sich eine Gelegenheit zuzuschnappen aus, wenn es ihm als richtig und wichtig erscheint.
Dennoch ist es Sinnvoll, die Präsentation der Fliegen so natürlich wie möglich zu gestallten. Ich empfehle nach dem Auswerfen, den Sbiro in der Luft zu verfolgen und kurz vor dem Auftreffen auf der Wasseroberfläche, den Bügel zu schliessen. Das hat zwei Vorteile, zum einen wird die gesamte Montage gestreckt und zum anderen ist der Aufprall ins Wasser gedämpfter. Währen sich die Schnur auf der Wasseroberfläche legt, stellt ihr sicher, dass sich keine Krümmung formt und haltet die Rutenspitze nahe der Wasseroberfläche. Nun ist es an der Zeit die Montage langsam, mit kurzen Pausen dazwischen und gelegentlichem zupfen, einzuholen. Es darf ruhig 5 Minuten in Anspruch nehmen, bis ihr erneut ein Wurf tätigt. Die Präsentation der Fliege ist der wichtigste Teil für einen erfolgreichen Fang.
Zusätzlich kann ich sagen, dass bei einem Biss, man nicht übertrieben anschlägt und es mit anschliessendem wildem kurbeln zu handhaben. Zieht und haltet den Fisch unter Spannung und pausiert kurzzeitig, wenn der Fisch hektisch wird. Es kann bei zu viel Spannung vorkommen, dass der Fisch blitzschnelle Sprünge aus dem Wasser wagt und mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sich vom Haken löst.
Somit sind wir zum Schluss angekommen und hoffe, dass ich euch diese spannende und naturnahe Methode näher bringen konnte. Geeignet für jeden und einfach in der Ausführung. Lest gerne die von uns geschriebenen Blogs durch und schaut spannende Videos auf Instagram und YouTube an, um auf dem laufendem zu bleiben.
Danke für das aufmerksame Durchlesen und viel Spass beim Nachmachen wünscht euch, Raphael 😊.






